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Allgemeine Infos
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| Der Drogenkonsum steht heute überall
auf der Tagesordnung. Auch illegale Drogen werden im Harlingerland immer
öfter konsumiert. Insofern muß auch jeder Polizeibeamte damit
rechnen, während der Dienstausübung mit einem Drogennotfall konfroniert
zu werden. Deshalb einige kurze Hinweise.
Bei den meisten Drogennotfällen durch
Überdosierung handelt es sich um Mischintoxikationen (Vergiftungen)
mit mehreren Drogen, weil es z. B. kaum noch reine Heroinkonsumentinn/en
gibt. Außerdem erhöht sich durch den Mischkonsum verschiedener
Drogen ( z.B. mit Alkohol oder Tabletten) die Wahrscheinlichkeit einer
Überdosis. Daneben sind Krampfanfälle, allergische Reaktionen
und Erregungszustände häufige Drogennotfälle.
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1. Heroinentzug aus
medizinischer Sicht
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Die Entzugssymtome treten ca. 8-12 Stunden
nach dem letzten Heroinkonsum auf. Der Verlauf des Entzugs und die dabei
auftretenden Symtome sind individuell sehr unterschiedlich, bei ein und
derselben Person dagegen immer ähnlich. Je kürzer die Zeit des
Heroingebrauches, je größer die Konzentrationsschwankungen des
Straßenheroins und je geringer dessen Konzentration, desto geringer
sind die Entzugssymtome. Dies kann man so pauschal aber nur über die
medizinisch objektivierbaren Symtome sagen. Es sagt nichts über die
individuell empfundenen Qualen aus, da die Entzugssituation - sowohl was
die persönliche Motivation betrifft als auch die konkrete Umgebung
- einen erheblichen Einfluß ausübt.
| Entzugssymtome: |
Pupillenerweiterung ("Tellerminen")
Opiathunger ("Schußgeilheit")
Glieder- und Rumpfschmerzen
Gähnen, Niesen, Naselaufen, Augentränen
Gänsehaut mit kaltem Schweiß
("cold turkey")
Bauchschmerzen, Durchfall, Brechreiz
Häufiges Wasserlassen
Blutdruckerhöhung, Temperatur und
Puls steigen
Atmung wird schneller, Ruhelosigkeit
Schwitzen, Hitzewallungen, Zittern, Schlafstörungen
Verstimmungen und Depressionen, Ängstlichkeit. |
| Symtome einer Heroinüberdosis: |
Erregungszustände, Schwindel, Erbrechen
Stecknadelkopfgroße Pupillen
Krämpfe, Bewußtlosigkeit, sinkender
Blutdruck
Schock, sinkende Körpertemperatur,
Atemlähmung. |
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2. Kokainentzug aus
medizinischer Sicht
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Wirkungen und Nebenwirkungen sind abhängig
von der Art und der Menge des Konsums. Sporadischer Konsum in niedriger
Dosierung verursacht in der Regel keine körperlichen Schäden,
sie sind aber nicht mit Sicherheit auszuschließen. Außerdem
ist es wichtig zu wissen, daß die individuell verträgliche Dosis
sehr unterschiedlich zu sein scheint.
| Entzugssymtome: |
Angstzustände, Depressionen, Schlaflosigkeit
Erschöpfung, Lethargie, Gereiztheit
Erbrechen, Durchfall, Herzklopfen und
Atemnot. |
| Symtome einer Kokainüberdosis: |
Zittern, Krämpfe, Übelkeit und
Erbrechen
Bluthochdruckkrisen (rotes Gesicht)
Atemstillstand, Bewußtlosigkeit
Herzrythmusstörungen, Zusammenbruch
des Kreislaufs
Halluzinationen, Angstzustände, Verfolgungswahn
Herzstillstand. |
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3. Crackentzug aus
medizinischer Sicht
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Crack ist von Salz/Salzsäure befreites
Kokain, das dadurch nicht mehr wasserlöslich ist und sich nur noch
zum Rauchen eignet. Es wirkt genauso wie Kokain, nur sehr viel schneller,
heftiger und kürzer.
| Entzugssymtome: |
Übelkeit, Appetitlosigkeit, Hustenanfälle,
Heiserkeit
Schwindel, Zittern, Schlaflosigkeit, Depressionen,
Angstzustände. |
| Symtome einer Cracküberdosis: |
Koordinationsstörungen, Zittern,
Krämpfe, Bewußtlosigkeit Atemstillstand, Herzstillstand, Bluthochdruckkrise
mit Hirnblutung Temperaturerhöhung mit Kreislaufzusammenbruch. |
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4. Cannabisentzug
aus medizinischer Sicht
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Objektiv scheint aus medizinischer Sicht
Cannabis für die meisten Menschen eine relativ ungefährliche
Droge, die körperlich offensichtlich nicht abhängig macht und
nicht für alle Konsumenten zum Problem wird. Im Vergleich zu Drogen
wie Alkohol, Nikotin, Barbituraten und Benzodiazepinen birgt der Konsum
von Cannabis von den Ausnahmen wie
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psychisch Kranke
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Herzkranke
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Gefahren im Straßenverkehr
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Arbeit an Maschinen
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Veränderung des Zeit- und Raumempfindens
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Mischkonsum mit Alkohol pp.
weniger Risiken als die harten Drogen.
| Entzugssymtome: |
leicht Schlafstörungen, innere Unruhe
(vergleichbar mit Kaffeeentzug) |
| Symtome einer Cannabisüberdosis: |
Herzrasen, Unterkühlung, Schmerzunempfinglichkeit
Körperstarre und Koordinationsstörungen
Bindehautentzündungen, Tränenfluß,
Husten
Kopfschmerzen, Überkeit und Erbrechen
Atemnot und Schocksymtome
Halluzinationen, Störung des Raum-Zeit-Gefühls
Schneller Wechsel von positiven und negativen
Gefühlen
Schwere Angstzustände |
| Für
medinzinische Laien ist es schwierig, einen Drogennotfall richtig einzuschätzen.
Deshalb bitte in jedem Fall ärztliche Hilfe holen. Bis
dahin die Regeln der Erste-Hilfe-Kurse anwenden. |
Versuchen, folgende Fragen abzuklären:
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Gibt es Hinweise auf Drogenkonsum (z.B. Flaschen,
Spritzen, Rauchutensilien pp.)?
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Welche Drogen wurden eingenommen (Heroin,
Kokain, Tabletten, Alkohol)?
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Wie viele Drogen wurden eingenommen?
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Wann wurden die Drogen eingenommen?
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Wie wurden die Drogen eingenommen (gespritzt,
geraucht, getrunken)?
Was Sie nie tun sollten:
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Versuchen Sie nicht, die Person zum Erbrechen
zu bringen, das kann bei einigen Substanzen, die Vergiftungen verursachen
können, zu Atemproblemen führen!
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Geben Sie der Person nichts zu essen, weil
sie sich sehr leicht verschlucken kann!
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Geben Sie ihr keinen Kaffee, Tee oder Alkohol
zu trinken, wegen der möglichen Wechselwirkung mit anderen Drogen!
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Geben Sie keine Medikamente, auch keine gegenmittel!
Falsch eingesetzt können sie gefährliche bis tödliche Nebenwirkungen
haben!
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Machen Sie keine Herzmassage - es sei denn,
Sie sind sicher, daß das Herz nicht mehr schlägt! Falsch angewendet
kann sie tödlich sein!
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Auf jeden Fall ärztliche Hilfe holen.
Krampfanfälle
Wenn jemand einen Krampfanfall bekommt, werden
die Muskeln starr, Arme, Beine und Kopf können unwillkürlich
zucken, häufig läuft Speichel aus dem Mund, die Augen rollen
nach oben in den Kopf, manchmal verliert die Person die Kontrolle über
Urin- und Stuhlabgang.
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Legen Sie ein Kissen o.ä. unter den Kopf
der Person, und schützen Sie sie vor Verletzungen, indem Sie z.B.
die Möbel beiseite räumne. Entfernen Sie Zahnersatz (Erstickungsgefahr!)
und andere Dinge, die behindern oder einengen.
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Stecken Sie der Person nie einen harten Gegenstand,
z.B. Metallöffel in den Mund (Zähne können abbrechen!).
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Versuchen Sie nicht, die Person mit Gewalt
festzuhalten (Verletzungsgefahr des Krampfenden!).
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Ist der Krampfanfall nach ein paar Sekunden
vorbei, legen Sie die Person in die stabile Seitenlage, und sorgen Sie
für ärztliche Untersuchung.
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Kommt die Atmung zum Stillstand, fangen Sie
an zu beatmen.
Erregungszustände und Hyperventilation
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Wenn jemand unter Drogeneinfluß z.B.
Kokain, LSD panisch wird, versuchen Sie, die Person zu beruhigen. Sorgen
Sie für eine möglichst ruhige Umgebung (wenig Licht, Geräusche,
Menschen) und haben Sie Geduld.
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Manchmal kann die Erregung dazu führen,
daß die Person hektisch tief ein- und ausatmet und das Gefühl
hat, nicht genügend Luft zu bekommen (Hyperventilation). Lippen, Beine
und Finger fühlen sich taub an und kribbeln. Eventuell verkrampfen
sich die Hände. Beruhigen Sie die Person, und leiten Sie sie zu ruhiger
und weniger tiefer Atmung an. Machen Sie ihr das richtige Atmen vor!
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Messen Sie bei einer erregten Person den Puls
nie am Hals. Sie könnte in so einem Zustand eine Berührung am
Hals als Bedrohung für ihr Leben empfinden.
"Shake"
Ein "Shake" ist eine Art allergische Reaktion
auf Beimengungen in den Drogen oder Verunreinigungen der Utensilien, die
für den Drogenkonsum gebraucht wurden. Der "Shake" tritt meistens
10 - 30 Minuten nach dem letzten "Druck" auf und äußert sich
in Zitteranfällen, starker Unruhe, evtl. verbunden mit hektischer
Atmung und Rötung oder Bläschenbildung auf der Haut. Beruhigen
Sie die Person, leiten Sie sie zur richtigen Atmung an, hüllen Sie
sie in eine warme Decke und geben Sie ihr etwas Warmes zu trinken, z.B,
gesüßten Kräutertee.
Keinen schwarzen Tee oder Kaffee (steigert
die Unruhe) oder Alkohol (Wechselwirkung mit anderen Drogen, eventuell
Verstärkung der Atemlähmung). |
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Quelle:
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| Anne Schumacher, Ärztin im Drogenbereich
Hamburg, Illegaler Drogenkonsum aus medizinischer Sicht, in: Wolfgang Harm
(Hg.), Mein Kind nimmt Drogen, Informationen und Beratung für Eltern,
Rowohlt, 1994 |
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Kontakt
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Oliver Wachno
oliver.wachno@malzkeim.de
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